Weekly Wisdom

Der Erwartungsdruck.

Warum man dem Erwartungsdruck durch andere Menschen nachgibt und welche Folgen dieses Verhalten haben kann.

1.375 Wörter / 7 Minuten Lesezeit

von | Apr. 4, 2026

Die täglichen Erwartungen an uns.

Direkt ausgesprochen oder subtil zwischen den Zeilen – irgendwer hat immer irgendwelche Erwartungen an uns. Der Vater erwartet, dass die Tochter Jus studiert, es gibt schließlich bereits drei Generationen Juristen in der Familie. Die Freundin erwartet, dass man am Abend mit ihr ins Kino geht, obwohl man eigentlich zu müde dafür ist und lieber auf der Couch ein Buch lesen möchte. Der Kollege erwartet, dass du den Kundentermin am Freitag Nachmittag übernimmst, weil er weiß, dass du keine Verabredung hast.

Doch was möchte ich selbst eigentlich? Manchmal befindet sich das Gefühl dafür unter einem Berg von Erwartungsschichten und man muss erst tief graben, um eine Antwort darauf zu finden. Oder man weiß es und hat nicht den Mut oder die Kraft, es auch zu artikulieren und durchzusetzen. Man erfüllt die Erwartungen und ärgert sich im Stillen. 

 

Warum gibt man diesem Erwartungsdruck nach?

Die Gründe dafür, warum wir immer wieder gegen unsere inneren Bedürfnisse handeln, sind vielfältig. Evolution: Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit.

Sozialer Vergleich und Konformitätsdruck.

Konditionierung und Erziehung.

Angst vor negativen Konsequenzen.

Vermeidung von Konfliktsituationen.

 

Die Konsequenzen.

Weder für unseren Körper noch für unsere Seele ist das gesund.

Identitätskonflikte: Wer bin ich und was möchte ich? Verlust von Zugang zu eigenen Wünschen und Vorstellungen.

Sozialer Perfektionismus.

Chronischer Stress.

Unzufriedenheit.

Psychosomatische Beschwerden.

 

Was hilft dabei.

Bewusst machen: Was ist mir wirklich wichtig.

Selbst-Mitgefühl entwickeln.

Mut zur Eigenverantwortung stärken.

Kleine Schritte, statt große Umbrüche.

Kommunikationskompetenz stärken: üben und lernen, sachlich Argumente zu formulieren und in Konfliktsituationen sicher zu kommunizieren.

 

Quellen und inspirierende Literatur:

Csikszentmihalyi, Mihaly (2007): Flow. Das Geheimnis des Glücks. Stuttgart: Klett-Cotta.

Hüther, Gerald (2011): Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Muntermacher. Frankfurt am Main: Fischer Verlag

Hüther, Gerald (2016): Mit Freude lernen – ein Leben lang. Weshalb wir ein neues Verständnis vom Lernen brauchen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Roth, Gerhard / Strüber, Nicole (2019): Wie das Gehirn die Seele macht. Stuttgart: Klett-Cotta.

Seligman, Martin (2015): Wie wir aufblühen. Die fünf Säulen des persönlichen Wohlbefindens. München: Wilhelm Goldmann Verlag.

 

DAILY INSPIRATION

Sommervibes

Sommervibes

Über der weiten Landschaft aber liegt der blaue Sommerduft und ein Schweigen wie aus alten Tagen,...

Weekly Wisdom

Kognitive Verzerrungen / Cognitive Bias:

Was man darunter versteht, welche man kennen sollte und wie sie unsere Wahrnehmung, unser Denken und unser Verhalten beeinflussen.

 

678  Wörter / 4 Minuten Lesezeit

von | Apr. 4, 2026

Wer weiß es besser? Aus dem Alltag.
Die Diskussion ist gewohnt angeregt. Das aktuelle Thema liegt im Bereich „Allgemeines“, niemand der anwesenden Diskutanten bringt besondere Fachkompetenzen oder intensive berufliche Erfahrungen im Themenfeld mit. Zwei aus der Runde nehmen mit vollster Überzeugung gegensätzliche Positionen ein und verteidigen diese hitzig. Beide sind absolut davon überzeugt, die Situation richtig einzuschätzen und beharren auf ihrem Standpunkt. Die Emotionen gehen hoch, die Diskussionskultur ist schwierig. Wer liegt richtig? Oder liegt eventuell keiner der beiden richtig? Oder beide in Teilbereichen? 
Für die psychologischen Prozesse dahinter gibt es einige Erklärungen. 
Was versteht man unter Kognitiven Verzerrungen?
Kognitive Verzerrungen oder Cognitive Bias ist ein Begriff aus der kognitiven Psychologie (lat. cognoscere: wissen, wahrnehmen).  Generell geht es in diesem wichtigen Bereich der Psychologie um mentale Prozesse wie Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Sprache und Entscheidungsfindung. Der Fokus liegt darauf, wie Menschen Informationen wahrnehmen, verarbeiten, speichern und anwenden.

Kognitive Verzerrungen sind systematische Denkfehler, die unbewusst und automatisch ablaufen. Sie verzerren unsere Wahrnehmung der Realität, unsere Beurteilungen der Situation und unser Entscheidungen. Verstärkt treten sie unter Stress, Müdigkeit oder Unsicherheit auf, aber nicht nur dann.

Welche sollte man kennen und warum?
Laut John Manoogian III beispielsweise gibt es über 180 (!) kognitive Verzerrungen, bekannt als der Cognitive Bias Codex. Es handelt sich dabei um eine visuelle Darstellung in Form eines Kreisdiagramms, die unterschiedlichste Cognitive Biases kategorisiert und organisiert. Welche sind besonders weit verbreitet? Confirmation Bias, Status Quo Bias, Groupthink, False Memory Bias, Overthinking sind nur einige davon. Im oben genannten Beispiel könnten der Overconfidence Bias (Selbstüberschätzung) oder der Dunning-Kruger-Effekt relevant sein. Overconfidence Bias besagt, dass Menschen dazu neigen dazu, ihr eigenes Wissen oder ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Beim Dunning-Kruger-Effekt (Unwissenheit in Kombination mit Selbstüberschätzung) steht im Mittelpunkt, dass Menschen mit geringem Wissen oder Kompetenz in einem Bereich ihre Fähigkeiten überschätzen, während Experten ihre eigene Kompetenz oft unterschätzen. Auch Dogmatismus könnte in Frage kommen, d.h. ein starres Festhalten an eigenen Überzeugungen und dem eigenen Weltbild. Die persönliche Perspektive kann nicht hinterfragt werden.

Warum macht es Sinn, über kognitive Verzerrung Bescheid zu wissen?

Die Relevanz von Cognitive Biases für unseren Alltag ist hoch. Wer über kognitive Verzerrungen informiert ist, kann die eigene Wahrnehmung bewusster gestalten, bessere Entscheidungen treffen und Manipulationen durch andere erkennen. Kommunikation gelingt besser, in Konflikten kann die Lösung leichter gelingen.  

 

Quelle:

Kahnemann, Daniel: Schnelles Denken, langsames Denken (2011)

Manoogian, John: Cognitive Bias Codex 

Watzlawick, Paul: Wie wirklich ist die Wirklichkeit. (1976)

David Robson: The Intelligence Trap (2019)